Kaltwasser - Geysir "Namedyer Werth"

Am Donnerstag, dem 06. Dezember 2001 wurde in der Mittelrheinhalle Andernach die erfolgreiche Reaktivierung dieses grandiosen Naturschauspiels bekannt gegeben. Ein vergleichbarer Kohlensäuresprudel ist auf der Welt nur noch einmal, in den USA, zu finden. Anders als bei den bekannteren Heißwasser-Geysiren, die das Wasser durch den Dampfdruck von überhitztem Wasser heraus schleudern, wirkt bei diesem Kaltwasser-Geysir die Kohlensäure als treibende Kraft. Das geysirartige Ausstoßen des Wassers beruht auf dem gleichen physikalischen Prinzip, wie das Öffnen einer Mineralwasserflasche.

Im beginnenden 20. Jahrhundert wurden erstmalig aufsteigende Gasblasen im toten Rheinarm der Halbinsel "Namedyer Werth" beobachtet. So existierten gastronomische Betriebe am Rande des Geysirs, ferner wurden regelmäßig Reiterfeste veranstaltet. Durch den 1. und 2. Weltkrieg wurden an dem Geysir erhebliche Schäden verursacht. In der folgenden Zeit kam der Geysir im Jahr 1957 nach zusätzlichen technischen Problemen endgültig zum Erliegen.

Das Namedyer Werth wurde 1985 als Naturschutzgebiet (NSG) mit ornithologischem Schwerpunkt ausgewiesen. Um der besonderen Sensibilität im Rahmen dieses NSG gerecht zu werden, gaben die Projektverantwortlichen vorsorglich eine Umweltverträglichkeitsstudie in Auftrag. Darüber hinaus suchte man den Kontakt und den Meinungsaustausch mit den einschlägigen Naturschutz- und Fachverbänden.Im Rahmen der Voruntersuchungen wurden umfangreiche Erhebungen zu möglichen alternativen Standorten - außerhalb des Naturschutzgebietes - durchgeführt. Die dabei gewonnen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die speziellen Randbedingungen für einen funktionierenden Kaltwasser - Geysir ausschließlich auf dem Namedyer Werth gegeben sind. Am 13. August 2001 fiel der Startschuss für den Beginn der Erkundungsbohrung zur möglichen Reaktivierung des Namedyer Kaltgeysirs.

Nach der nun erfolgreichen Reaktivierung sehen die Projektverantwortlichen ihre nächste Herausforderung in der touristischen Erschließung der zukünftigen Attraktion im Rahmen des Vulkanparks. Bei einer ersten Bohrung um 1903/1904 zur Erschließung des Kohlensäure/ Wasservorkommens "sprang" der Geysir das erste Mal um die 40 m hoch. Neben der gewerblichen Nutzung des Kohlensäure-Vorkommens durch die Namedyer Sprudel GmbH wurde dieses einmalige Naturschauspiel schon 1912 auch touristisch erschlossen.

SPIEGEL ONLINE Artikel vom 10. Mai 2005